Luke Bedford – „Give Him His Hat“

Über das Werk

Luke Bedford hat seine beiden Klavierstücke als zwei Versionen ein und desselben Werkes gestaltet. So handelt es sich bei der vierhändigen Fassung von Give Him His Hat um eine klanglich verdichtete Version des zweihändigen Klavierstücks. Mittels des zusätzlichen Händepaars werden die Akkorde erweitert und die dynamische Kraft und Klanggewalt des energetischen Werkes noch gesteigert. Damit die obere Partie gut zu hören ist, sollte sie während des gesamten Stücks dynamisch etwas hervorgehoben werden.

Der Titel Give Him His Hat („Gib ihm seinen Hut“) entstammt einer Textpassage aus A Tour Thro’ the Whole Island of Great Britain („Reise durch die gesamte britische Insel“) von Daniel Defoe – dem Autor des Robinson Crusoe –, die Bedford seinem Werk vorangestellt hat. In dem Ausschnitt wird die Geschichte eines Mannes erzählt, der unter merkwürdigen Umständen vor seiner Hinrichtung flieht. Die eigentümliche Stimmung, die Defoes komisch-verstörenden Text beherrscht, verbindet der literaturbegeisterte Komponist dabei mit dem spezifischen Ausdrucksgehalt seiner unerbittlich vorwärtsdrängenden Klavierstücke.

Biografie

Luke Bedford, geboren 1978, studierte im Rahmen eines „Foundation“-Stipendiums Komposition am Royal College of Music bei Edwin Roxburgh und Simon Bainbridge. Anschließend erhielt er ein Stipendium, um an der Royal Academy of Music den „Magister Artium“-Abschluss zu erlangen, ebenfalls bei Simon Bainbridge.

2001 wurde sein Kammerwerk Five Abstracts für 14 Spieler von der London Sinfonietta uraufgeführt. Der nächste Auftrag kam von der BBC – Rode with Darkness – ein Werk für großes Orchester, das vom Hallé Orchestra unter Mark Elder in der Bridgewater Hall, Manchester, im Januar 2004 uraufgeführt wurde. Die deutsche Erstaufführung fand im Januar 2005 mit dem Deutschen Symphonie-Orchester unter George Benjamin statt. Nach dem Erfolg von Rode with Darkness wurden zwei Kammerensemble-Werke Bedfords der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Februar 2006 spielte das Philharmonia Orchestra in ihrer Reihe „Music of Today“ Slow Music und Man Shoots Strangers From Skyscraper, beide für 8 Spieler. Im Jahr 2006 wurde der Lied-Zyklus Or Voit Tout En Aventure von der London Sinfonietta mit Claire Booth (Sopran) unter der Leitung von Oliver Knussen uraufgeführt. Weitere Aufführungen folgten bereits, u. a. von der Birmingham Contemporary Music Group, sowie auf Tournee durch Europa mit dem Ensemble Modern unter Anu Komsi bzw. George Benjamin. Eine der jüngeren Kompositionen Bedfords stellt Outblaze the Sky dar. Dieses Werk für Orchester wurde vom London Symphony Orchestra als Teil ihrer ‚Sound Adventures’-Reihe in Auftrag gegeben und kam im April 2007 im Londoner Barbican unter Daniel Harding zur Uraufführung.

Die Musik Luke Bedfords wurde unter anderem vom Tokyo Philharmonic, dem Brunel Ensemble, dem Gould Piano Trio, dem Endymion Ensemble, dem Continuum Ensemble, von Chroma sowie der Pianistin Sarah Nicolls aufgeführt.

Sein Katalog enthält auch kleiner besetzte Werke, wie etwa Catafalque, ein Werk, das sowohl für Solo-Klavier als auch in einer größeren Version für räumlich verteiltes Orchester existiert – oder Chiaroscuro für Klaviertrio.

Zu den Auszeichnungen für seine Arbeit gehören der 2000 Royal Philharmonic Society Prize for Composition, der zweite Preis beim 2001 Toru Takemitsu Wettbewerb in Tokyo, der BBC Radio 3 Listeners’ Prize beim 2004 British Composers Awards sowie „Bestes Werk eines Komponisten unter 30 Jahren“ beim International Rostrum of Composers Wettbewerb 2005 in Wien (letztere beide für Rode with Darkness).

Bedford war von 2008 bis 2011 Composer in Residence bei der Wigmore Hall in London.

(Stand: 2011)

Interview mit Luke Bedford

Frage 1

Die Anfrage ein zweihändiges und ein vierhändiges Klavierstück für ein Projekt mit einem pädagogischen Schwerpunkt zu schreiben, erreicht einen Komponisten vermutlich nicht alle Tage. Wie sind Sie mit diesem ungewöhnlichen Auftrag umgegangen?

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Frage 2

Sie haben Ihrem Werk ein längeres Zitat des englischen Schriftstellers Daniel Defoe vorangestellt, das von einer seltsamen Hinrichtung berichtet. Auch der ungewöhnliche Werktitel  „Give Him His Hat“ stammt aus dieser Textpassage. Welche Beziehungen bestehen zwischen Defoes Text und Ihrer Musik?

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Frage 3

In welchem Verhältnis stehen das zweihändige und das vierhändige Stück?

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Frage 4

Gibt es bei Ihrem vierhändigen Stück eine klare Festlegung, welche Partie für den Schüler und welche für den Lehrer gedacht ist?

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Frage 5

Welche allgemeinen Empfehlungen würden Sie einem jungen Pianisten geben, der Ihre Stücke spielen möchte?

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Frage 6

Gibt es andere Dinge, auf die man beim Spielen besonders achten sollte?

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Frage 7

Wie sind Sie zum Komponieren gekommen?

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Frage 8

Wann sind Sie erstmals mit zeitgenössischer Musik in Berührung gekommen und welchen Stellenwert hatte sie in ihrer musikalischen Ausbildung? 

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Frage 9

Improvisieren Sie manchmal und wenn ja, welche Rolle spielt Improvisation in ihrem Schaffensprozess?

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Frage 10

Kinder und Jugendliche werden im Musikunterricht nur selten dazu ermutigt, selbst zu improvisieren oder zu komponieren. Fänden Sie es wünschenswert, dass sich diese Situation ändert und was können Kinder in der schöpferischen Beschäftigung mit Musik lernen?

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Frage 11

Welche Ratschläge würden Sie einem Kind geben, das beginnen möchte zu komponieren?

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