George Benjamin – "Two or Four"
Wie die anderen Komponisten dieses Bandes empfand York Höller die ungewöhnliche Aufgabenstellung, ein Werk in einer zweihändigen und einer vierhändigen Version zu entwickeln und dabei bestimmte spieltechnische Grenzen nicht zu überschreiten, als „reizvolle Herausforderung“. Seine beiden Stücke Solo play und Duo play sind zwei eigenständige Werke, die unabhängig voneinander aufgeführt werden können. Der Blick in die Partitur zeigt dabei, dass es sich bei dem vierhändigen Stück um eine erweiterte Fassung des zweihändigen Stücks handelt. So erklingt in Duo play in der Partie des ersten Spielers die Musik von Solo play. Der zweite Spieler greift an einigen Stellen unterstützend ein, ergänzt und kontrapunktiert aber ansonsten das Spiel seines Duopartners durch neu hinzu komponierte Schichten.
Solo play und Duo play sind die ersten Stücke im anspruchsvollen Klavierwerk von York Höller, die gezielt für junge Spieler geschrieben wurden.
York Höller wurde in Leverkusen geboren und studierte 1963–70 in Köln u.a. bei Bernd Alois Zimmermann, Herbert Eimert und Alfons Kontarsky. Die Teilnahme an Pierre Boulez’ Analyseseminaren bei den Darmstädter Ferienkursen 1965 regte ihn zur Auseinandersetzung mit der seriellen Musik an. Nach vorübergehender Tätigkeit an der Bonner Oper arbeitete er 1971/72 am Studio für Elektronische Musik des WDR, dessen künstlerische Leitung er von 1990 bis 2000 innehatte.
Eine Reihe von Werken, die durch die Synthese von instrumentalen/vokalen und elektronischen bzw. computergenerierten Klängen gekennzeichnet sind, machte Höller in den 1970er Jahren international bekannt. Mit der Einladung ans Pariser IRCAM nahm 1978 Höllers besondere Verbindung zum französischen Musikleben ihren Ausgang, die ihren vorläufigen Höhepunkt 1989 in der erfolgreichen, von der französischen Theater- und Musikkritik preisgekrönten Uraufführung von Der Meister und Margarita an der Opéra de Paris fand.
In den 1980er Jahren vollendete Höller auch eine Anzahl rein akustischer Stücke, unter denen das erste Klavierkonzert und das Orchesterwerk Magische Klanggestalt zu den meistgespielten zählen. Er lehrte über lange Jahre in Köln sowie in Freiburg, England und Finnland, wurde 1993 zum Professor für Komposition an die Berliner Hochschule für Musik Hanns Eisler und 1995 an der Musikhochschule Köln berufen. Höller erhielt zahlreiche Auszeichnungen, viele Werke entstanden in prominentem Auftrag, etwa Fanal für das Ensemble InterContemporain, Aura für das Chicago Symphony Orchestra oder Gegenklänge für das Ensemble Modern. 1999 komponierte Höller aus Anlass des Umzugs des Deutschen Bundestages nach Berlin das Orchesterwerk Aufbruch.
In jüngerer Zeit entstanden Der ewige Tag für Chor, Orchester und Elektronik (2001), Klangzeichen für Klavier und Bläser (2003), Feuerwerk für 16 Instrumentalisten (2004), Fluchtpunkte für Flöte, Englisch Horn, Klarinette, Klavier und Schlagzeug (2006) sowie das Orchesterstück Sphären (UA 2008 durch das WDR Sinfonieorchester Köln unter Semyon Bychkov).
Neben zahlreichen weiteren internationalen Kompositionsaufträgen, Stipendien, Gastdozenturen und Auszeichnungen wurde Höller durch die Aufnahme in den Ordre des Arts et des Lettres der Französischen Republik. Seit 1991 ist er Mitglied der Berliner Akademie der Künste, seit 2006 Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg. Ein Buch über den Komponisten erschien zu seinem 60. Geburtstag in der Reihe „Musik der Zeit“.
Verwendet mit freundlicher Genehmigung von Boosey & Hawkes
(Stand: 2011)
Die Anfrage, ein zweihändiges und ein vierhändiges Klavierstück für ein Projekt mit einem pädagogischen Schwerpunkt zu schreiben, erreicht einen Komponisten nicht alle Tage. Was hat Sie an diesem ungewöhnlichen Auftrag besonders gereizt und auf welche Weise haben Sie ihn kompositorisch umgesetzt?
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Auf was sollte man beim Spielen Ihrer Stücke besonders achten sollte?
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Wie fanden Sie die Idee, junge Pianisten in den Uraufführungsprozess einzubinden?
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Wie sind Sie zum Komponieren gekommen und welche Rolle hat zeitgenössische Musik in ihrer musikalischen Ausbildung gespielt?
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In ihrer musikalischen Ausbildung sind Sie erst relativ spät mit neuer Musik in Berührung gekommen. Fänden Sie es wünschenswert, dass sich Kinder und Jugendliche im heutigen Instrumentalunterricht von Anfang an nicht nur mit dem klassischen Repertoire, sondern auch mit zeitgenössischer Musik beschäftigen?
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Im Musikunterricht spielt die eigenschöpferische Beschäftigung mit Musik häufig keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Bedauern Sie diese Situation und welche allgemeinen Ratschläge würden Sie einem Kind geben, das beginnen möchte zu improvisieren oder zu komponieren?
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Warum sind die schöpferische Beschäftigung mit Musik und die spielerische Entfaltung der Fantasie wichtig?
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Am 12. Juli 2010
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